Kopfwelt

Teestunde: cancel the cancel

Meine Lieben, als ich das erste Mal gehört habe, dass der Film “Tatsächlich Liebe …” inzwischen als problematisch angesehen und verlangt wird, er solle nicht mehr gesendet werden, da er frauenverachtend und diskriminierend sein soll (ich erkläre gleich, was diesbezüglich vorgeworfen wird), habe ich Schnappatmung bekommen, weil es jemand gewagt hat, meinem mir allerliebsten Lieblingsfilm ans Bein zu pinkeln.
Als ich zusätzlich kürzlich in einem Podcast einem Interview gelauscht habe, bei dem es um Die Toten Hosen gegangen ist – wie wir alle wissen, die in meinen Augen beste Band der Welt -, und eine der Sprecherinnen gemeint hat, dass sie früher gerne deren Musik gehört hat, vor allem zu Zeiten von “Alles nur aus Liebe”, dass sie dieses Lied allerdings heute nicht mehr hören kann, weil darin quasi Femizid verherrlicht wird, ist etwas in mir durchgebrannt.

Jetzt mal ehrlich, bleiben wir doch gleich bei diesem angeführten Beispiel des Songs “Alles nur aus Liebe”. In der letzten Textzeile geht es darum, dass die Person, aus deren Sicht der Text wiedergegeben wird, meint, dass er nicht weiß, wie er seine Liebe anders beweisen soll, als dass er sich und die Angesungene umbringt, und zum Ende hin sind Schüsse zu hören.
Jeder, der sich auch nur ein bisschen mit dieser Band und für das, wofür sie schon immer steht, beschäftigt hat, weiß, dass sie niemals Femizid in nur irgendeiner Weise verherrlichen würde. Ganz im Gegenteil sogar, würde ich behaupten. Was Die Toten Hosen aber schon immer getan haben – auf Missstände in der Gesellschaft und Politik durch Überzeichnung aufmerksam zu machen. Ich meine, eine linke Punkband wird wohl kaum den Song “Sascha, ein aufrechter Deutscher” geschrieben haben, weil sie Rechte propagieren möchte. Oder mit “Hier kommt Alex” wollte die Band bestimmt nicht zu Anarchie aufrufen. Nein, sie halten damit den Scheinwerfer auf Themen, die man gerne unter den Tisch kehren möchte. Von denen man lieber so tun würde, als existierten sie nicht, weil wir es alle lieben, in unserer schönen rosaroten Bubble zu leben und die dazugehörige Brille niemals abnehmen.

Aber – jetzt kommt das große ABER – selbst wenn es so wäre, dass sie keinen dementsprechenden Hintergedanken gehabt hätten, sondern einfach gedankenlos drauflosgesungen haben, kommen diese Songs in erster Linie aus einer vollkommen anderen Zeit. Und genau das ist der Punkt.

Auch der Film “Tatsächlich Liebe …”, von dem sich sogar der Regisseur heute distanziert und meint, dass er etwas veraltet ist und der Mangel an Diversität wäre ihm unangenehm, ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Aus heutiger Sicht wird dem Film vorgeworfen, dass ausschließlich heterosexuelle Beziehungsmodelle thematisiert werden. Außerdem wird ein gewisses Rollenbild der Frau gezeichnet, speziell was Machtgefälle in den gezeigten Mann-Frau-Konstellationen angeht. Der Schriftsteller verliebt sich in die Haushälterin genauso wie der Premierminister. Die Figur des Agentur-Bosses beginnt eine Affäre mit seiner Sekretärin. Und vom Erzählstrang des Typen, der in die USA reist, da er dort bei den Frauen besser ankommt, und seinem Freund als Souvenir ein grinsendes “Blondchen” mitbringt oder der beste Freund, der sich in die frisch angeheiratete Frau des Freundes verliebt und diese deshalb wie Dreck behandelt, fangen wir gar nicht erst an.

Ja, gut, ich verstehe, was mit “problematisch” gemeint ist, ich hab’s geschnallt. Aber sorry, auch wenn ich es bestimmt nicht gutheiße, war das halt vor 20 oder 30 Jahren noch eine komplett andere Zeit. Das war das Bild der Frau, das gezeigt, von vielen Männern so erträumt und das in diesem Sinne auch so gelebt wurde. Es ist nicht nur ein Klischee vom Firmenboss, der sich in die Sekretärin verliebt. Oder der Ehemann, der eine Affäre mit dem Kindermädchen anfängt, das waren/sind Tatsachen.
Und dass nur heterosexuelle Liebe gezeigt wurde – in Österreich ist Homosexualität erst seit 1971 nicht mehr strafbar! Eine eingetragene Partnerschaft ist seit 2009 und die gesetzliche Ehe erst seit 2019 (!!) möglich. Das sind Fakten! So ist es einfach, auch wenn es traurig und eigentlich skandalös ist.
Daran wird sich aber auch nichts ändern, wenn wir Filme aus dieser Zeit nicht mehr zeigen und alle am liebsten so tun würden, als wären wir schon immer so furchtbar liberal und divers gewesen. Waren wir nicht, sind wir zum Großteil heute nicht. Weshalb also so tun, als wären wir besser! Als hätten wir schon von jeher klüger gedacht.

Es gibt immer wieder Diskussionen, ob man bestimmte Denkmäler entfernen sollte, die historischen Persönlichkeiten gewidmet sind, die man heute ebenfalls als problematisch ansieht. Meine Meinung kann man jetzt kontrovers ansehen, aber ich finde nicht, dass man solche Denkmäler entfernen sollte. Nein, ganz im Gegenteil, man sollte sie als Mahnmal stehen lassen. Man sollte stattdessen aufklärende Tafeln anbringen, um die wahre Geschichte zu erzählen.

Immer wieder höre ich, dass sich Menschen beschweren, dass auf so manchem Doku-Kanal ständig irgendwelche Sendungen über den Nationalsozialismus gezeigt werden, man könne doch jetzt langsam mal gut sein lassen. Und das schneidet in meinen Augen genau in dieselbe Kerbe wie das Canceln von Filmen wie “Tatsächlich Liebe …” – oder dass sich jemand so manchen Song einer Punkband nicht mehr anhören kann, weil er gewaltverherrlichend sein soll.

All das sind Zeitberichte. Sie kommen aus einer Ära, in der wir so getan haben, als gäbe es Homosexualität nicht. In der nur weiße, schöne, reiche Menschen gezeigt wurden oder man eben sagen oder singen konnte, was auch immer man wollte. Da war niemand, der seinen Zeigefinger erhoben hat. Shitstorms waren nicht existent. Wie auch, man konnte maximal einen Leserbrief an eine Zeitung schicken, das war’s auch schon.

Ich stelle mich bestimmt nicht auf die Seite von so manchem gealterten Showmaster, der nicht damit zurechtkommt, dass man heute nicht mehr alles sagen darf, was einem durch den Kopf geht. Trotzdem ist es so, nur weil jemand etwas nicht laut ausspricht, ist es nicht so, als würde er es nicht trotzdem denken. Nur weil wir so tun, als gäbe es so manchen Missstand nicht, löst er sich nicht plötzlich von selbst auf.

Keine Frage, ich finde es gut, richtig und wichtig, dass man heute viele Dinge anders sieht. Ich finde es katastrophal, wie lange wir bei vielen Themen gebraucht haben, um sie richtigzustellen. Aber so zu tun, als wäre es schon immer so gewesen, alle Beweise, dass wir einmal um einiges dämlicher und engstirniger waren, auszulöschen oder unter den Teppich zu kehren, halte ich für einen Fehler. Viel sinnvoller finde ich es, dass wir diese Filme bewusst zeigen, damit wir eben nicht anfangen, uns zurückzuentwickeln, wie es heute oftmals eine gewisse Tendenz zeigt. Zu würdigen, dass es uns wenigstens auffällt, wie falsch vieles früher gelaufen ist, aber in erster Linie, um es in Zukunft besser und noch besser zu machen. Denn in einem können wir uns sicher sein, die Filme, die wir heute im Kino anschauen, die Musik, die wir heute hören, das werden Dinge sein, die man in 20 oder 30 Jahren problematisch ansehen wird und am liebsten unter den Teppich kehren würde.
Zumindest hoffe ich, dass es so sein wird, denn es würde bedeuten, dass wir uns weiterentwickelt haben …

eine Lieben, als ich das erste Mal gehört habe, dass mein Lieblingsfilm “Tatsächlich Liebe …” aus diversen Gründen problematisch sein soll, ist mir schon etwas die Hutschnur geplatzt, aber als ich dann dieselben Worte über “Alles nur aus Liebe” gehört habe, dass man sich das heute nicht mehr anhören kann, tja, das war der berühmte letzte Tropfen. Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass man heute etwas länger nachdenkt – oder es zumindest sollte -, bis man etwas von sich gibt. Dass man eben immer in Betracht ziehen muss, dass sich jemand beleidigt fühlt. Aber wie gesagt, nur weil man etwas nicht mehr laut ausspricht, ändert es noch lange nichts am Denken. Das Denken kann sich aber nur ändern, wenn einen jemand, nachdem man es gesagt hat, aufklärt. Aber das sollte alles zivilisiert ablaufen. Zumindest wenn es einem wirklich wichtig ist, etwas zu ändern, und man nicht nur einfach beleidigen möchte. Denn genau das ist es, wofür, meiner bescheidenen Meinung nach, Cancel Culture wirklich steht, ein Freifahrtschein, um Menschen, die vermeintlich anders denken, zu beschimpfen. Nicht weil man wirklich etwas für eine bessere Gesellschaft tun möchte, sondern weil man Freude am Beleidigen hat.
Und das kann definitiv nicht der richtige Weg sein.
Es ist leider so, die, die etwas zu sagen haben, werden dadurch stumm. Und die, die besser nichts sagen sollten, sind die, die immer lauter werden. Wohin das führt, kann man sich an vielen Stellen dieser Welt anschauen.
Und das ist keine Welt, in der ich leben möchte.

Alles Liebe, love&peace, 

26 Comments on “Teestunde: cancel the cancel

  1. Guten Morgen meine Süße, ich bin zu 100 Prozent bei Dir. Man soll und kann nicht die Vergangenheit politisch korrekt machen. Viel wichtiger wäre es zu verstehen, warum die Zeit so war und was daran falsch war. Aber kategorisch alles zu streichen, wäre der falsche Ansatz. Und das mit den Hosen ist sowieso sehr lächerlich. Danke für den unglaublich starken Beitrag!!! Bussi, 344

    1. Guten Morgen Schatz, ich habe ja nichts gegen “politisch korrekt”, wenn es am richtigen Ort und zur richtigen Zeit angewendet wird. Und vor allem aus den richtigen Gründen, was leider selten der Fall ist. Und das ist irgendwie so anstrengend geworden. 3344 und vielen Dank, alles Liebe, x S.Mirli!

  2. Hallo Mirli, es tut richtig gut, dass mal jemand den Mund aufmacht gegen diesen pauschalen Verbotswahn. Dein Vergleich von Tatsächlich Liebe… mit der tatsächlichen rechtlichen Situation vor zwanzig Jahren öffnet einem echt die Augen dafür, wie heuchlerisch manche Diskussionen geführt werden. Die Idee, Kunst und Filme als Zeitzeugen stehenzulassen, um im Diskurs zu bleiben, unterschreibe ich sofort. Hab eine wunderbare und sonnige Woche, liebe Grüße Bianca

    1. Hellohoo, liebe Bianca, ich danke dir sehr für deine Worte. Du sagst es, diese Entwicklung unserer Gesellschaft ist absolut heuchlerisch. Vor allem wird ja immer nur bei den anderen so genau hingeschaut, wenn damit jeder bei sich selbst anfangen würde, müssten wir sowieso über nichts mehr diskutieren und es wäre eine viel schönere Welt. Ich grüße dich ganz lieb zurück, hab du ebenfalls eine wunderschöne Spätsommerwoche, alles Liebe, x S.Mirli!

  3. Schönen guten Morgen Mirli. Das ist wieder so eine fantastische Teestunde, bei der mir beim Lesen regelrecht das Herz aufgegangen ist! Du sprichst mir beim Thema Tatsächlich Liebe… so unendlich aus der Seele, ich liebe diesen Film seit eh und je und schaue ihn mir jedes Jahr zu Weihnachten an. Dass man heute rückwirkend versucht, alte Kunstwerke mit der moralischen Brille von 2026 zu bewerten und am liebsten komplett zu canceln, ist einfach der falsche Weg. Dein Beispiel mit den Toten Hosen trifft es auf den Punkt, Werke als Überzeichnung oder schlicht als Produkte ihrer Ära zu verstehen, erfordert eben ein bisschen Differenzierung, statt sofort den Zeigefinger zu heben. Ausradieren bringt doch niemanden weiter. Danke für diesen mutigen und so extrem wichtigen Beitrag. Hab einen ganz feinen Start in die Woche, ganz liebe Grüße Eva

    1. Dir ebenso einen schönen guten Morgen, liebe Eva, als ich zum ersten Mal von dieser Kritik an Tatsächlich Liebe… gehört habe, habe ich ehrlich die Welt nicht mehr verstanden. Ich weiß ja auch nicht, weshalb man heute alles immer so auseinandernehmen muss, jede winzigste Detail beleuchten, um ja den Fehler im System zu finden. Das ist einfach nur noch anstrengend. Nicht alles ist dazu da, um kommentiert zu werden. Aber das ist eine richtige Gesellschaftskrankheit geworden, dieses zu allem ein Kommentar hinterlassen. Ich danke dir auf alle Fälle sehr für deine Worte und schicke dir ganz liebe Grüße zurück, alles Liebe, x S.Mirli!

  4. Guten Morgen Mirli, genau was ich mir auch denke! Ein herrlich ehrlicher und aufklärender Beitrag, bei dem man so richtig tief eintauchen kann. Die Sache mit den Denkmälern sehe ich genauso wie du, Aufklärungstafeln und Konfrontation bringen tausendmal mehr als das heimliche Abmontieren im Schutz der Nacht. Auch was du über die gesetzlichen Fakten zur Homosexualität in Österreich schreibst, hebt einfach hervor, aus welcher historischen Realität diese alten Medien entsprungen sind. Wir dürfen nicht so tun, als wären wir immer schon fehlerfrei gewesen. Danke für deine klaren Worte und den Mut, so ein Thema hier auf deinem Blog anzusprechen. Hab eine wunderbare und entspannte Woche, ganz liebe Grüße Kerstin

    1. Guten Morgen, liebe Kerstin, es tut wirklich gut zu lesen, wie ähnlich wir alle denken, das macht Hoffnung. Es ist ja wirklich so, wenn man anfängt, es so zu handhaben, können wir eigentlich nur noch aktuelle Kunst konsumieren, denn so schnell wie sich unsere Zeit entwickelt, denken wir morgen schon wieder komplett anders als gestern. So funktioniert das nicht. Ich danke DIR für deine Worte und wünsche dir ebenso einen richtig guten Start in die Spätsommerwoche und starte gut in den September, alles Liebe, x S.Mirli!

  5. Hallo Mirli! Danke für dieses großartige Plädoyer! Beim Hosen-Song Alles nur aus Liebe musste ich wirklich den Kopf schütteln, wer die Ironie und die bewusste Überzeichnung der Band nicht versteht, will es wahrscheinlich auch gar nicht verstehen. Was du über die gesellschaftlichen Zustände von damals schreibst, ist so wahr, man kann die Geschichte schlichtweg nicht rückwirkend umschreiben. Wenn man alte Filme einfach verbietet, nimmt man den Menschen doch die Möglichkeit zu sehen, wie sehr wir uns zum Glück schon weiterentwickelt haben. Dein Schlusssatz über die Leisen, die stumm werden, und die Lauten, die immer mehr poltern, hat mich richtig nachdenklich gemacht. Pass gut auf dich auf und genieß die Spätsommertage und danke für diesen so wichtigen Text!!! Liebe Grüße Karin

    1. Hellohooo, liebe Karin, ich habe damals, als ich diesen Podcast gehört habe, ehrlich die Welt nicht mehr verstanden. Wie kommt man auf so eine Idee, so etwas zu sagen. Und in erster Linie fürchte ich ja, dass diese Person, das was sie da von sich gegeben hat, nicht einmal selbst so meint. Aber man glaubt eben, man muss heutzutage bei allem sofort Stellung bzw. Gegenstellung beziehen, damit man ja nicht in ein falsches Kader gesteckt wird. Das ist einfach nur traurig. Und ja, leider trauen sich die, die etwas zu sagen haben, bald nichts mehr zu sagen. Und dann wird es gefährlich. Ich grüße dich ganz lieb zurück, liebe Karin, hab eine fanatische neue Woche, alles Liebe, x S.Mirli!

  6. Hallo Mirli. Das Beispiel mit den Toten Hosen ist meisterhaft zerlegt, Kunstfreiheit lebt von Überspitzung und Satire, wer den Text von Alles nur aus Liebe als Femizid-Verherrlichung umdeutet, betreibt bewusste Kontextverweigerung. Aufklärung funktioniert ausschließlich durch Konfrontation mit dem Ist-Zustand und nicht durch das Errichten einer sterilen Wohlfühl-Bubble. Dass Cancel Culture oft nur als Vorwand dient, um anonym Dampf abzulassen, ist faktisch nicht zu leugnen. Wahnsinnig ehrlicher und so wichtiger Beitrag, danke. Schöne Woche, LG Dirk

    1. Hellohoo, liebe Dirk, ich glaube, das ist ein generelles Problem mit Kunst jeglicher Form, dass sie einfach nicht mehr verstanden wird. Bzw. haben immer mehr Menschen ein Problem, Satire zu verstehen. Es ist so anstrengend geworden, sich öffentlich zu äußern, weil es eigentlich sowieso egal ist, was man sagt, es wird so oder so in die Richtung ausgelegt, die man haben möchte. Hauptsache man kann mit der Keule draufhauen. So macht das keinen Spaß mehr! Ich wünsche dir ebenso einen fantastische neue Woche und vielen Dank für deine Worte, alles Liebe, x S.Mirli!

  7. Mirli, .. du triffst heute aber sowas von meinen Nerv, ich nicke beim Lesen praktisch ununterbrochen mit dem Kopf! Tausend Dank für diese ehrlichen Worte zur Cancel Culture. Ich finde es auch so unglaublich anstrengend, wenn man meint, Klassiker nachträglich verteufeln zu müssen, nur weil sie das Rollenbild von vor über zwanzig Jahren abbilden. Man darf doch nicht so tun, als wären wir vor dreißig Jahren schon auf dem Stand von heute gewesen! Was du über die Diskussionskultur schreibst, dass es oft nur noch ums Beschimpfen und Fertigmachen geht, anstatt echten Dialog zu suchen, macht mich manchmal richtig traurig. Ein wundervoller Beitrag, der genau zur richtigen Zeit kommt. Hab eine zauberhafte und inspirierende Woche, alles Liebe Anne

    1. Du sagst es, es IST so unglaublich anstrengend geworden. Einfach alles. Vor allem wenn man sich öffentlich äußert. Man hat das Gefühl, man spaziert über ein Minenfeld, dabei soll es so eigentlich nicht sein. Wie sollen wir so etwas dazulernen? Und ja, im Endeffekt geht es nur um eine weitere Möglichkeit, sich selbst zu feiern und andere fertigzumachen, damit man sich noch größer fühlen kann. Der Mensch ist schon eine grausame Spezie, wenn wir ehrlich sind. Liebe Anne, ich wünsche dir morgen einen fantastischen Start in den September, alles Liebe, x S.Mirli!

  8. Guten Morgen Mirli, deine heutige Teestunde ist eine ganz hervorragende, soziologisch und kulturhistorisch brillante Auseinandersetzung mit dem Phänomen der zeitgenössischen Rezeption. Die Unterscheidung zwischen historischer Authentizität und gegenwärtiger Normativität ist ein zentrales Thema, das wir permanent diskutieren. Dass man den Film Tatsächlich Liebe… oder Songs der Toten Hosen als Artefakte ihrer Entstehungszeit betrachten muss, ist wissenschaftlich alternativlos. Dein Ansatz, Denkmäler eben nicht zu demontieren, sondern mit Kontextualisierungstafeln als Lern- und Mahnmale stehenzulassen, deckt sich exakt mit modernen geschichtsdidaktischen Konzepten. Wenn wir die Zeugnisse früherer Engstirnigkeit tilgen, berauben wir uns selbst des Maßstabs für unseren ethischen Fortschritt. Ich werde deinen Text, wenn du es erlaubst, weiterverwenden, den er fasst genau diesen Missstand heute perfekt auf! Ich wünsche dir einen geistig anregenden Tag, ganz liebe Grüße Michaela

    1. Auch dir einen guten Morgen, liebe Michaela, ich danke dir sehr für deine Worte und selbstverständlich darfst du diesen Text weiterverwenden, das ehrt mich sogar sehr! Es ist eine traurige Entwicklung, wie heutzutage Diskussionen geführt werden. Niemand hört mehr zu, jeder will sich nur mehr selbst reden hören und interessiert sich überhaupt nicht mehr für andere Meinungen. Bzw. ist der Auffassung, dass er selbst allwissend ist. Man fragt sich da schon, wohin das alles noch führen soll, wenn sich immer nur mehr die falschen zu Wort melden. Liebe Michaela, ich wünsche dir ebenso eine anregende neue Woche und einen guten Start in den neuen Monat, ganz liebe Grüße zu dir zurück, alles Liebe, x S.Mirli!

  9. Liebe Mirli. Was für ein wunderschöner und zutiefst wichtiger Beitrag, ich habe den Text regelrecht aufgesaugt. Es tut so gut zu lesen, dass da draußen noch Menschen sind, die mit Verstand und Herz an solche Debatten herangehen und nicht nur aus  Publicitygründen. Dass sich der Regisseur von Tatsächlich Liebe… heute fast schon entschuldigt, ist traurig, denn der Film spiegelt einfach seine Zeit wider und hat trotzdem so viel Wärme transportiert. Dein Schlussgedanke über die Kultur des Miteinanderredens hat mich sehr berührt: Wenn nur noch geschrien wird, trauen sich die leisen, nachdenklichen Stimmen gar nichts mehr zu sagen. Hab einen fantastischen Start in die Woche und bleib genau so reflektiert, wie du bist, alles Liebe Julia

    1. Vielen lieben Dank, liebe Julia, für deine Worte! Ich kann dir nur zustimmen, es tut SO gut, dass so viele ähnlich oder gleich denken. Das lässt hoffen, denn oft macht es tatsächlich den gegenteiligen Anschein. Heute ist es wirklich mühsam, Diskussionen zu lauschen, weil es einem Minenfeld gleicht. Ich fürchte, deshalb trauen sich immer mehr Menschen nichts mehr zu sagen, aber leider meist die, auf die man hören sollte. Auf alle Fälle wünsche ich dir ebenfalls einen fantastischen Start in die Woche und morgen in den frischen Monat, alles Liebe, x S.Mirli!

  10. Hallo Mirli. Was für ein mitreißender und tiefgründiger Post heute, das ist wirklich eine der besten Teestunden, obwohl ich sowieso all deine tiefgründigen Texte so sehr liebe! Die Debatte um das Löschen oder Verstatten von alten Filmen und Liedern verfolge ich auch schon länger mit Sorge. Du bringst es perfekt auf den Punkt: Nur weil man ein Problem totgeschwiegt oder alte Beweise verbuddelt, ändert sich in den Köpfen der Menschen rein gar nichts. Deine Haltung zu den Mahnmalen und die Hoffnung, dass die Menschen in dreißig Jahren auch über uns schmunzeln werden, weil wir uns weiterentwickelt haben, ist wunderschön. Hab einen herrlichen Tag und lass dich nicht ärgern, ganz liebe Grüße Claudia

    1. Hellohooo, liebe Claudia, ich freue mich ehrlich gerade so sehr über deine Worte, vielen, vielen Dank dafür. Leider ist es heute ja gang und gäbe, über alles einen Filter zu legen und so zu tun, als hätten wir keine Probleme und leben alle gemeinsam in Friede und Eintracht. War nie so und ist auch nicht so. Und wird wahrscheinlich auch niemals so sein. Weshalb also so tun, als ob? Wie auch immer, vielen Dank noch mal für deine Worte und ich schicke dir ganz liebe Grüße zurück, starte morgen gut in den September, alles Liebe, x S.Mirli!

  11. Hallo Mirli, danke für diesen mutigen, feinfühligen und so extrem wichtigen Beitrag in deiner Leseecke, das hat mir den Morgen richtig erhellt. Ich muss dir bei Alles nur aus Liebe so sehr zustimmen, es ist erschreckend, wie schnell heutzutage der Kontext von Kunst verloren geht. Du hast vollkommen recht, man löst kein einziges Problem der Welt, indem man alte Filme aus dem Fernsehprogramm streicht und so tut, als hätte es Klischees oder Engstirnigkeit nie gegeben. Wir müssen doch stolz darauf sein können zu sehen, was für Fortschritte wir als Gesellschaft gemacht haben! Dein Gedanke, dass in dreißig Jahren vielleicht auf unsere heutigen Medien geschaut wird, lässt einen echt demütig werden. Genieß die Woche und lass dich nicht beirren, alles Liebe Samira

    1. Hellohooo, liebe Samira, ich danke DIR für die lieben Worte! Ich glaube sowieso, dass die meisten Menschen Probleme haben, denn Sinn und Zweck von Kunst zu verstehen. Zumindest teilweise. Und das ist wirklich traurig. Immerhin zählen Filme und vor allem Musik auch zu Kunst. Ich bin ehrlich gespannt, wohin sich das noch entwickeln soll, wenn wir so weitermachen. Was irgendwie genial ist, auf Social Media darf anscheinend jeder treiben, was er möchte, aber sobald es irgendeinen “offiziellen” Anstrich hat, wird der Zeigefinger erhoben. Einfach nur traurig. Nichtsdestotrotz wünsche ich dir ebenso eine wunderschöne sonnige Woche und einen fantastischen Herbststart, alles Liebe, x S.Mirli!

  12. Hallo Mirli! Was für eine grandiose Teestunde, ich habe jede einzelne Zeile total gefeiert! Das Thema rund um Tatsächlich Liebe… hat mich auch schon so oft wütend gemacht, da will man einfach ein bisschen Nostalgie genießen und plötzlich soll der ganze Film verwerflich sein. Dein Argument mit dem Überkleistern von Geschichte ist einfach unschlagbar: Wer alte Fehler unsichtbar macht, verhindert doch, dass man daraus lernt! Mir hat besonders dein Absatz über den Unterschied zwischen echter Aufklärung und bloßem Niedermachen in Shitstorms gefallen. Danke, dass du da so klar deine Stimme erhebst und dich nicht vom lauten Zeitgeist einschüchtern lässt. Ich wünsche dir einen wunderschönen, sonnigen Tag, alles Liebe Anika

    1. Hellohooo, liebe Anika, vielen lieben Dank für deine Worte. Als ich diese Meinung zu Tatsächlich Liebe… das erste Mal gehört habe, konnte ich partout nicht verstehen, wie man darauf kommen kann. Ehrlich gesagt verstehe ich es bis heute nicht. Wenn wir danach gehen, können wir überhaupt nichts mehr ansehen, was nicht gerade maximal zwei Jahre alt ist. Und von Songtexten fange ich gar nicht erst an. Aber gut, das ist halt die heutige Einstellung: Scheuklappen auf und so tun, als ob es all unsere Probleme nicht geben würde. Liebe Anika, ich wünsche dir ebenso eine wunderschöne Spätsommerwoche, starte gut in den neuen Monat, alles Liebe, x S.Mirli!

  13. Schönen guten Morgen Mirli, deine neue Teestunde ist ein absoluter Volltreffer und spricht mir aus tiefster Seele. Das Beispiel mit der Punkband und der falschen Interpretation vom Song zeigt einfach, wie oberflächlich heutzutage oft zugehört wird. Ich finde deinen Ansatz großartig, dass Zeitdokumente genau das bleiben sollten: Dokumente einer Zeit, an denen man das eigene Wachstum messen kann! Sich heute hinzustellen und zu behaupten, man hätte es damals schon besser gewusst, ist einfach verlogen. Schöne Grüße und eine wunderbare, inspirierende Woche dir, Franzi

    1. Guten Morgen, liebe Franzi, ich finde auch, dass cancel culture eine der schlimmsten “Modeerscheinungen” der letzten Jahre ist. Plötzlich fühlt sich ja jeder bemüßigt alle anderen zu belehren, ohne selbst auch nur irgendeine Ahnung zu haben. Aber anscheinend denken wir da alle sehr ähnlich … Ich wünsche dir ebenso eine fantastische Woche und vor allem einen richtig guten Start in den September, alles Liebe, x S.Mirli!

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